Montag 7.3.2022 …. wir haben sooo gut geschlafen. Nach der doch recht anstrengenden Reise war es sehr angenehm in den schönen Zimmern und der Ruhe in dem kleinen Hotel und so sind wir gut gelaunt in den Tag gestartet. Mit Blick auf den Atlantik konnten wir ein reichhaltiges Frühstück mit herrlichen Früchten genießen.

Eigentlich hätten wir um 9.00 Uhr unseren ersten Termin gehabt. Herr Thies, der Agrarbeauftragte der giz in Lome musste diesen aber wegen eines anderen wichtigen Termins absagen. Der Termin wird am Donnerstag nachgeholt. So hatten wir jetzt aber genügend Zeit unseren ersten Tag in Togo gemächlich angehen zu lassen.

Anschließend haben wir die Koffer wieder verstaut und sind zu einer Familie in Lome gefahren. Der Vater mit seinen Kindern wohnt in der Nähe des Flughafen. Die Mutter der Kinder ist im BundesFreiwilligenDienst im Ostalbkreis. Bevor sie 2020 nach Deutschland kam hat sie in Togo einen Deutschkurs absolviert, den sie wie auch die Kosten für Visa, Flug usw. selbst finanzieren musste. Für die ganze Aktion hat die Familie einen Kredit aufgenommen und sich auch verschuldet. Nach der Ankunft in Deutschland hat die Frau ihre Arbeit als Bundesfreiwillige in einen Pflegeheim aufgenommen und hätte eigentlich einmal wöchentlich bei der VHS einen Deutschkurs absolvieren sollen. Da dann die Corona Pandemie begonnen hat, gab es bei der VHS keine Kurse mehr und die Frau konnte dann nach einem Jahr, die für eine Ausbildung zur Altenpflegerin geforderte Deutschprüfung nicht absolvieren. Ohne diese Deutschprüfung konnte sie die Ausbildung nicht beginnen. Von ihrem geringen Lohn, der eigentlich schon für sie selbst zu gering ist schickt sie jeden Monat noch Geld nach Hause. Seit drei Jahren hat sie ihre Familie nicht gesehen, da sie sich einen Flug nicht leisten kann. Wir wurden von engagierten Frauen von Solwodi Aalen angesprochen, da sie wissen, dass wir uns in Togo engagieren.

Der Vater lebt mit den drei Kindern in der Nähe des Flughafens in sehr bescheidenen Verhältnissen. Er kann keiner Arbeit nachgehen, da seine Mutter schon sehr alt ist, und der kleine Sohn behindert ist. Er braucht ständige Betreuung und der Vater kann es sich nicht leisten, den kleinen Jungen tagsüber in einer Behinderten Einrichtung unter zu bringen. Die beiden Mädchen gehen in die Primärschule. Im vergangenen Jahr kam die Familie mit den Überweisungen der Mutter einigermaßen über die Runden, da in Togo wegen der Corona Pandemie kein Schulgeld erhoben wurde. Inzwischen muss das Schulgeld wieder bezahlt werden ( pro Kind 80.000 Fcfa im Jahr = knapp 125,- Euro / jährlich) und so weiß der Mann nicht immer wie er über die Runden kommen soll. Leider fehlt es auch an finanziellen Mitteln für ein physiotherapeutische oder ergotherapeutische Behandlung, die der Junge eigentlich dringend benötigt. Nach unserer Rückkehr wollen wir uns wieder mit den Frauen von Solwodi treffen und nach Lösungsmöglichkeiten suchen.

Die Familie freute sich sehr über unseren Besuch und die Grüße von der Mama aus dem fernen Deutschland.

Inzwischen ist es schon Mittag geworden und wir starten durch in Richtung Kpalime.

Zunächst durch die pulsierende Hauptstadt Lome, wo wir immer wieder erstaunt und fasziniert sind von dem Verkehr, den vielen Mopeds, völlig überladenen Fahrzeugen und dem Leben auf den Straßen.

Jetzt um die Mittagszeit ist die Schule zu Ende und unzählige Kinder sind auf dem Weg nach Hause zur Mittagspause. Der Unterricht geht täglich von 7.30 Uhr bis 12.00 Uhr und von 15.00 bis 18.00Uhr.

Schon im Juli wurde an der Straße von Lome bis Kpalime kräftig gebaut. Nach der Stadtgrenze ist ein Teil der Straße fertiggestellt und es geht flott vorran. Etwa auf halber Strecke vor Kpalime ist die Straße eine einzige Baustelle. Da im Moment noch Trockenzeit ist, staubt es unheimlich. Was uns auch in früheren Jahren schon immer wieder sehr erschreckt hat und betroffen macht sind die Vorbereitungen zum Bau bzw. der Erweiterung der Straßen. Links und rechts der Straße werden jeweils die ersten Häuserreihen einfach abgerissen.

Die Leute werden wohl schon entschädigt, müssen sich aber eine neue Bleibe suchen.

Auf der Fahrt erzählt uns Leon, dass früher hier sehr viel Kaffee und Kakao angebaut wurde. Kaffee und noch mehr Kakao benötigen für ein gutes Wachstum den Schatten von großen Bäumen. Große Firmen haben den Leuten erzählt es gäbe jetzt Züchtungen von Bäumen, die auf dem freien Land wachsen und sehr ertragreich wären. So wurden die großen Schattenbäume gefällt und die neuen Kaffee – und Kakaobäume gepflanzt. Leider stellte sich der Erfolg nicht ein. Auf großen Teilen der Flächen wurden dann Ölpalmen gepflanzt, die aber auch nicht den gewünschten Erfolg brachten, da der Boden teilweise total überdüngt war und die Palmbäume nicht den erwarteden Ertrag abwarfen. Die Qualität der Palmnüsse war auch nicht gut und so wurde in der eigens erbauten Palmölfabrik irgendwann die Ölproduktion wieder eingestellt. Die Kleinbauern der Region haben dann versucht Sodabie (traditioneller Schnaps) zu produzieren. Wegen der Überdüngung erbeuteten sie aber auch nur eine minderwertige Qualität.

Ein großer Teil der Fläche liegt inzwischen brach und auf der z.T. verwilderten Fläche stehen noch Reste der Palmölfabrik.

Als wir in Kpalime eintreffen ist bei allen die Freude groß über das Wiedersehn. Zunächst machen wir unseren ersten Stopp im Macumba, dem Restaurant, das auch zum Ausbildungszentrum gehört und jetzt freuen wir uns riesig über das erste kühle „Lager“ in Togo. Schon auf den ersten Blick sehen wir, das sich im ABCN wieder einiges verändert hat.

Nachdem letztes Jahr die Schneiderei offiziell eingeweiht wurde und inzwischen schon sehr gut läuft, hat Leon beschlossen in den Werkstätten einige Veränderungen vorzunehmen. Das ABCN wurde Anfang der 80iger Jahre von Schweizern gegründet. Als sich die Schweizer Organisation Anfang der 90 iger Jahre zurückgezogen hat, drohte für das Ausbildungszentrum das Aus und so haben wir damals beschlossen, das Zentrum weiter zu unterstützen. Zur Zeit wird das Gebäude von Leon und seinem Team teilweise renoviert und ausgebaut. Aktuell wird die Dreherei renoviert. Nach und nach sollen alle Sektionen renoviert werden. Leon ist dabei auch wichtig, dass auch die Ausbildung modernisiert wird. Die Aprentis sollen vor allem auch den Umgang mit modernen Medien lernen oder z.B. auch Einblicke in andere Betriebe bekommen. Dafür wird gerade der grüne Vereinsbus in Lome generalüberholt. Mit dem Bus kann man dann eine Gruppe von Lehrlingen zu Betriebsbesichtigungen fahren.

Der Platz zwischen den Werkstätten, hinter dem Unterrichtssaal und dem Eingang zum Macumba wurde gepflastert und überdacht, im ABCN gibt es jetzt ein ganz komfortables Besucher WC. Das Macumba wurde mit einem neuen Dach und neuer Beleuchtung ausgestattet und das allerbeste … ein neues WC. Es sieht alles toll aus und wir sind begeistert.

Im Anschluß geht es in das nahegelegene kleine Hotel Orchidee, wo wir schon bei unseren letzten Aufenthalten waren und das nur 2 Gehminuten vom ABCN entfernt ist. Auch dort werden wir wieder sehr freudig begrüßt. Wir beziehen die Zimmer, genießen eine kühle Dusche und eine ganz kleine Siesta…. die Reise hängt uns noch in den Knochen.

Zum Abndessen sind wir dann natürlich wieder im Macumba, wo die Mannschaft mit den vielen Azubis ein herrliches Abendessen gezaubert hat.

Anschließend besprechen wir noch das Programm und viele Einzelheiten der einzelnen Projekte. Verschiedene organisatorische Abwicklungen für unsere Projekt – Förderanträge in Deutschland müssen geregelt werden und im Büro des ABCN gibts dann gleich ordentlich zu tun.

Den Abend lassen wir dann auf der Terasse des Hotels ausklingen und gehen heut zeitig ins Bett. Ein spannender Tag wartet morgen wieder auf uns.

Kategorien: Togo-Reise März 2022

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Avatar-Platzhalter

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.