Sonntag 27.11.2022 – Guten Morgen und einen schönen 1. Advent …..heute wollen wir es ruhig angehen lassen und treffen uns erst um 9.00 Uhr zum Frühstück. Danach entschließen sich Roman und Anton eine kleine Tour zum Aufforstungsprojekt auf der Missa Höh zu machen, aus der dann aber eine große fast 5 stündige Wanderung wurde. Als sie unterwegs waren und eigendlich auf Grund ihrer typisch deutschen Schuhe schon umdrehen wollten, trafen sie den verantwortlichen Arbeiter, der für die Pflege der 21 ha zuständig ist. Seit vielen Jahren finanziert Hilfe für Togo Aufforstungsprojekte auf dem Plateau, auf dem Agou und hier auf der Missa Höhe.

Er überredete sie, dass sie unbedingt sehen müssten was er dort macht. Er hat nach dem Abitur die Agrar- Uni in Tove besucht, musste aber das Studium abbrechen, als sein Vater starb, um die Felder zu bewirtschaften und die Nahrungsmittel für die Familie zu sichern. Der sehr unscheinbar wirkende Mann hat den beiden während des Aufstiegs an einem felsigen Südhang die afrikanische Botanik erklärt und viele Pflanzen und Baumarten gezeigt und beschrieben. Die beiden waren begeistert von dem umfangreichen Wissen des Mannes und haben an dem Mittag einiges gelernt z.B. wenn ein Teakbaum eine dürre Spitze hat muss man um Wurzelstock aufgraben, denn da befindet sich dann in der Regel ein größerer Stein, der sich an der Sonne so erhitzt, das die Wurzeln kaputt gehen. Wenn der Stein entfernt wird hat der Baum eine Chance. Der Mann erklärt an verschiedenen Beispielen wie für mehr Ertrag sorgt. So z.B.hat er ein Mittel, dass er auf die Rinde des Kakaobaumes srüht, damit es zu einem besseren Fruchtansatz kommt. Er züchtet Termiten, da die Königinen eine leckere Proteinmahlzeit sind ….

Für grobe Pflegearbeiten und das Anlegen der Feuerstreifen holt er sich immer 4 Helfer aus dem Dorf. Roman und Anton sind sehr positiv überrascht wie wunderbar die Aufforstung gepflegt ist und welch guten Fortschritt die Bäume bzw. die ganze Flächen im vergangenen Jahr gemacht haben. Sie haben dem Arbeiter zugesichert, das er im März, wenn kein Feuer über den Wald gegangen ist , eine Prämie bekommt. Wenn der Bestand mal 5 Jahre überstanden hat ist das Feuer keine so große Gefahr mehr, da dann kein Unterholz mehr da ist. Ein Problem in Bezug auf die Buschfeuer ist auch der Neid. Der Mann erzählt, das es schon vorkam, dass Leute aus der Umgebung absichtlich Feuer legen um anderen Schaden zuzufügen. Er sei aber sehr wachsam und legt viele Feuerstreifen an indem er um die Flächen Gräben anlegt, die das Feuer ausbremsen.

Hier musste ein drittel der Bäume nachgesetzt werden, da nach der Pflanzung der Regen schon zu bald ausblieb und die Trockenzeit eingesetzt hat. Roman und Anton waren begeistert von dem umfangreichen wissen des Mannes in Sachen Botanik und Forst und kamen begeistert von ihrer Tour zurück.

Am Nachmittag hatten wir dann einen Termin mit einer jungen Frau, die uns bei der Lossprechungsfeier angesprochen hat. Sie ist die einzige Frau mit 19 Männern im Stadtrat von Kpalime. Eine sehr aufgeweckte, interressante Frau, die Psychologie studiert hat und in verschiedenen Gruppierungen um die Emanzipation der Frauen kämpft. Bei der Stadt ist sie dafür zuständig, dass die kommunalen Bauten nachhaltig erbaut und erhalten werden. Sie haben in der Region Tove, Kuma Bala und Jokole 33 Kooperativen mit je 13 Frauen. Ihr Ziel ist es Palmöl zu produzieren und daraus Seife und Duschgel herzustellen um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Die Frauen haben sich selbst organisiert und sind quasi im Registergericht eingetragen und genehmigt. Gemeinsam bewirtschaften sie auch Felder im Gemüseanbau um für sich, ihre Familien und etwa 50 Waisenkinder die Nahrung zu sichern. Auf unsere Frage, warum es so viele Waisenkinder gibt antworten sie es sind die Probleme der Politik, Gewalt gegen Frauen (auch in den Familien), Aids und Covid. Oft verlassen die Eltern auch die Region und lassen die Kinder einfach zurück. Mit viel Tamtam und Tänzen werden wir von den gut gelaunten Frauen begrüßt. Es sind etwas über 20 Frauen da. Es sind Vertreterinnen der einzelnen Kooperativen.

Für die Herstellung der Seife stellen sie zunächst das rote Palmöl her. Sie sammeln oder kaufen die Schale von den Kakaobohnen, diese wird mit Holzspänen verbrannt. Die erkaltete Asche wird mit Wasser vermischt und durch ein Tuch gegossen. Das ist dann eine natürliche Lauge.

Zusammen mit dem roten Palmöl wird das ganze gekocht und es entsteht eine Seifen – Paste, die sie zum Verkauf in kleine Eimer abfüllen. Sie verkaufen die Seife auf den Märkten in ihren Ortschaften und auch in Lome. Für einen kleinen Eimer verlangen sie 500,- Fcfa und für den großen 1000,- Fcfa ( 1,- Euro = 655 Fcfa). Ein großes Problem ist, dass die Eimerchen fast teurer sind als die Seife….

Wir sind sehr beeindruckt von dem Engagement der Frauen. Sie sind sehr gut strukturiert und haben klare Vorstellungen, wie sie weitermachen wollen. Sie erklären uns, dass sie die Nahrungsversorgung durch ihre Felderkooperation gut im Griff haben. Unterstützung bräuchten sie um ihre Produktion und Vermarktung zu verbessern und auszuweiten. So wären z.B. Maschinen zur Palmölproduktion sehr wichtig. Im Moment zerschlagen sie die Nüsse von Hand mit Steinen, was natürlich sehr aufwändig ist und manche Frau hat schon die spitzen Schalen ins Auge bekommen. Wir versprechen das Thema bei uns im Verein anzusprechen und überlegen, ob im ABCN aus den Motoren, die im Container geliefert wurden, solche Maschinen hergestellt werden können. Als Geschenk bekommen wir Seife und Duschgel und auch wir bedanken uns mit kleinen Geschenken an die Kinder.

Auf dem Rückweg fahren wir noch an einer großen Schule vorbei. Schon von weitem ist hier zu sehen, dass dort ein Neubau absolut notwendig ist. Wir werden die Schule morgen besuchen, wenn jemand da ist. Nach diesen Eindrücken haben wir beim Abendessen im Macumba genügend Diskussionsstoff. Im Macumba gibt es einen Fernseher und dort beginnt gerade das Fußballspiel mit Deutschland. Beeindruckend wie einige der Lehrlinge die deutsche Nationalhymne mitsingen. Da es dann aber kurz nach Beginnn des Spieles ein sehr schweres Gewitter gibt, fällt der Fernseher aus und wir beschließen ins Hotel zu gehen – wahrscheinlich haben wir auch nichts verpasst. In diesem Sinne liebe Grüße an Euch alle aus dem sehr heißen und schwülen Togo.


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