Donnerstag 1.12.2022 – es wird heut ein heißer und anstrengender Tag. Schon als wir um kurz nach 6.00 Uhr das Hotel verlassen um ins ABCN zu gehen hat es schon 24. Grad … eigentlich angenehm kühl. Im ABCN ist schon einiges los. Wir starten mit zwei Autos, Ameou der Werkstattleiter, Hr. Aboutsi aus dem Büro, Holalie und ihr Mann Boris, fahren in einem Auto und Leon, Roman, Anton und ich im anderen. Zunächst fahren wir nach Atakpame. Für die 100 km benötigen wir etwas mehr als 2 Stunden. Die Straße von Kpalime nach Atakpame ist ganz gut, doch überall wo die Straßen gut sind, werden Schwellen eingebaut. Auf der Strecke zwischen Atakpame und Kpalime sind es etwa 70 Schwellen – 25 cm hoch und 1 Meter tief. Auf der Fahrt sind die Auswirkungen der Waldbrände und Klimaveränderung gut sichtbar. Die Berghänge, die zu unseren Anfangszeiten noch bewaldet waren sind weithin sichtbar kahl und haben nur noch wenige Bäume.

In Atakpame wollen wir dann zunächst frühstücken. In einem Restaurant, in dem wir schon öfters waren ist es so schmutzig, dass wir wieder gehen. Zum Glück weiß der Dorfchef von Fangnedihoe, der inzwischen zu uns gestoßen ist ein Hotel, in das wir dann fahren. Roman ist überrascht, das Hotel Roc gibt es bereits seit 50 Jahre und er hat dort in den 80 iger Jahren schon übernachtet. Es ist sehr sauber und der Serviece ist perfekt. Wir bekommen ein Frühstück mit allem drum und dran und dann geht es weiter.

Der Dorfchef von Fangnedihoe hat für uns einen Termin beim Prefäkten der Region ausgemacht. Das schmucke Gebäude der Prefäktur liegt hoch über der Stadt mit einem herrlichen Blick auf Atakpame.

Als wir dort ankommen sagt uns die Sekretärin, dass der Prefäkt nicht da ist und wir eine Stunde warten müssten. Dazu sind wir aber nicht bereit. Als wir die Prefäktur verlassen, laufen uns zwei Sekretärinnen nach und wollen uns aufhalten.

Nach Nangbeto sind es 70 km auf einer unglaublichen Piste, für die wir ebenfalls wieder 2 Stunden brauchen. Entlang der Piste gibt es viele kleine Siedlungen und einzelne Hütten. Auf den Feldern sind viele Menschen mit der Bohnenernte beschäftigt und wir sehen einige Ochsengespanne und Viehherden.

In Nangbeto befindet sich ein großer Staudam, der den größten Fluß Togos, den Mono staut. Wir fahren über die 443m lange Staumauer und dann sind es nochmal 30 km Holperpiste bis Fangnedihoe.

Als wir an der Schule ankommen ist es schon fast mittag und es hat 38 Grad und wie könnte es anders sein, zunächst wurden wir natürlich wieder von vielen Kindern empfangen, die sehr neurig auf die Jovos waren. In der Region, die schon sehr weit entfernt liegt sehen die Kinder wohl selten weiße Menschen und einige trauen sich nicht ganz zu uns heran.

Die Bauarbeiter sind wirklich nicht zu beneiden, bei der Hitze in der prallen Sonne arbeiten zu müssen. Eine Truppe von 15 Leuten aus dem ABCN sind gerade in Fangnedihoe. Wir besichtigen die Baustelle und sind erstaunt, der Bau ist schon gut voran geschritten.

Leon und seine Leute kontrollieren kritisch den Bauverlauf und besprechen mit den Arbeitern, bzw. dem Baustellenchef noch einige Details.

Anschließend sitzen wir neben der alten Schule im Schatten eines Mangobaumes und diskutieren mit der Dorfbevölkerung über das Projekt und die von ihnen zu leistenden Tätigkeiten. Leon und Hr. Aboutsi erläutern den Leuten den Vertrag und die damit verbundene Verpflichtung, dass die Dorfbevölkerung 5 % des gesamten Budget zu erbringen hat. Da es ja meistens so ist, dass die Bevölkerung kein Geld hat, erbringen sie ihre Leistung in Form von Arbeiteinsätzen. Bisher war das Engagement noch nicht ganz optimal. Nachdem Leon und Anton ihnen ordentlich zugesetzt haben, entschuldigen sie sich und meinen sie wären gerade viel auf dem Feld. Den Vorschlag von Leon, dass jede Woche eine Gruppe von 4 – 5 Leuten mithilft und die anderen auf die Felder können akzeptieren sie und werden bis Montag einen Plan erstellen.

Auf unsere Frage, wie die Dorfbevölkerung auf uns gekommen ist erzählt der Dorfchef, dass er eine Fernsehsendung über uns im togoischen Fernsehen gesehen hat und sich dann dachte:“ da fahre ich mal nach Kpalime und frage, ob wir auch eine Schule bekommen“. Er bedauert es sehr, dass es kaum Organisationen gibt, die sich in entlegenen Regionen engagieren – und gerade dort wäre es am wichtigsten. Der Dorfchef macht einen engagierten und kompetenten Eindruck. Er hatte viele Jahre eine Arbeitsplatz in Atakpame und jetzt als er in Rente kam ist er zurück in sein Dorf gekommen. Er erzählt uns, dass es eigentlich nicht sein Wunsch war, Dorfchef zu werden. Er wurde von der Bevölkerung und der Prefäktur mehr oder weniger dazu genötigt. Wir haben den Eindruck, dass er einen guten Job macht. Leon, Anton, der Dorfchef und seine Vertreter unterschreiben gemeinsam den Vertrag

Der Rückweg wird noch anstrengender. Vor der Staumauer müssen wir über eine halbe Stunde bei 38 Grad warten, da auf der Staumauer von einem Kran ein Container abgeladen wird.

Die weitere Rückfahrt wir dann sehr anstrengend, die Straße ist sehr schlecht, ab Atakpame ist sehr viel Verkehr und dann beginnt es sehr stark zu regnen. Wir fahren dann ohne Halt durch und sind dann gegen 18.30 Uhr im ABCN angekommen. Da wir ziemlich geschafft sind gehen wir dann nach dem Essen gleich in’s Hotel und sitzen auch nicht lange auf der Terrasse bis wir ins Bett gehen.


2 Kommentare

Silke L. · 3. Dezember 2022 um 1:34

Liebe Barbara ,lieber Anton,
erst jetzt komme ich dazu Eure Reise zu verfolgen .Barbara,Du schreibst so super.Es ist mega interressant, wie ein fesselndes Buch .
Bei dieser Hitze ist die Reise richtig anstrengend .Ich wünsche euch bei Euren Gesprächen weiterhin viel Erfolg .Eine ganz tolle ehrenwerte Arbeit !!
Danke für die tollen Bilder.
Grüsse Silke

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