Sonntag 20.11.2022 – Gut ausgeschlafen starten wir schon früh in unseren ersten Togotag. Die Nacht in den schönen gut gekühlten Zimmern hat allen gut getan.

Das Frühstück ist herrlich und gleichzeitig auch unser erster offizieller Termin. Leon hat Mitglieder des Lionsclub Novissi – Lome zu einem Gespräch eingeladen. Der Lionsclub Sierning möchte zusammen mit dem Lionsclub Aalen und Lions International ein neues Projekt starten. Dabei soll bei unserem Ausbildungszentrum ABCN eine Schulküche gebaut werden. Neben der Ausbildung der Lehrlinge vom Macumba, sollen dort auch Schulungen für die Frauen, die für die Schulkinder kochen stattfinden und das tägliche Mittagessen für unsere Lehrlinge vom ABCN gekocht werden. Die Gespräche verlaufen sehr angenehm und es scheint als würde die Zusammenarbeit mit diesem Lionsclub ganz gut funktionieren.

Faßt pünktlich geht unsere Reise weiter. Wir fahren zunächst nach Anecho. Die achtgrößte Stadt Togos ist 42 km von Lome entfernt und liegt im Südosten unmittelbar an der Grenze zu Benin. In der Lagune zwischen dem TogoLac und dem Atlantik sind die Kolonialmächte mit ihren Schiffen angekommen. Anecho war der portugisische Sklavenmarkt. 1885 wurde die Stadt den Deutschen zugeschlagen und dort war dann die deutsche Zentralverwaltung der Togokolonie. Heute lebt die Bevölkerung hauptsächlich von der Landwirtschaft, dem Fischfang und dem Tourismus, was auch für uns der Grund ist einen kurzen Stopp an der schönen Bucht einzulegen.

Obwohl es dort sehr schön ist wollen wir weiter. Wir haben noch ein ordentliches Stück Weg vor uns und da es in den letzten zwei Tagen viel geregnet hat, kann es sein, dass die Piste schwierig zu befahren ist.

Teilweise ist die Piste recht schlecht zu befahren. Bei den Wasserlöchern muss man sehr vorsichtig sein, da man nie weiß wie tief die Löcher sind und das kann dann doch zu erheblichen Schäden an den Autos führen. Doch wir kommen recht gut vorran und sind dann um die Mittagszeit in Aveve, wo wir für zwei Nächte unser Hotel beziehen.

Es wird nur kurz ausgepackt und dann geht es auch schon weiter. In Agbetiko – Mono werden wir von Victorine, Amelie und vielen , vielen Kinder stürmisch begrüßt. Die Kinder machen viel Tamtam, singen und bewerfen uns mit Konfetti. Victorin hat schon die Getränke kalt gestellt und da sind wir wirklich sehr froh.

… und schon geht es weiter. Die Frauen, die Palmöl produzieren erwarten uns um mit uns über ihre Arbeit zu diskutieren. Mit einem riesen Tamtam – wie man in Togo die Trommelkonzerte nennt – werden wir empfangen.

Die inwischen 20 Frauen haben sich extra einheitliche Kleider genäht um auch äußerlich darzustellen – wir sind ein Team – wir gehören zusammen. Von Leon (Ewe – französisch) und von Roman ins deutsche übersetzt erfahren wir wie dankbar die Frauen sind, dass wir sie seit über 5 Jahren unterstützen und sie in dieser Zeit schon einiges in ihrem Leben verbessern konnten.

Sie präsentieren uns ihre Maschinen, die sie durch unsere Unterstützung anschaffen konnten.Mit der einen Maschine werden zunächst die Nüsse geöffnet.

In einem großen Wasserbecken wird die Masse eingeweicht – das rote Öl schwimmt auf der Wasseroberfläche und wird abgeschöpft.

Die Fasermasse wird zu Laiben geformt und getrocknet. Die Frauen verkaufen sie als Anzünder für das Kochfeuer.

Mit der zweiten Maschine wir die Schale der inneren Kerne entfernt. In Handarbeit werden dann die Kerne von den Schalensplittern getrennt. Sehr oft wird diese Arbeit auch von den Kindern übernommen. Die Kerne werden dann nach Lome verkauft und daraus wird das hochwertigere weiße Palmöl gepresst. Eine solche Presse ist sehr teuer und lohnt sich nur für große Mengen an Palmkernen. Die Schalensplitter finden vielfältige Verwendung…. z.B. zum auffüllen von Löchern in der Straßen.

Vor einigen Jahren bekamen die Frauen kaum einen Erlöß für ihr Öl u. es ließ sich schlecht verkaufen. Zu der Zeit sind die Frauen dann zur Seifenproduktion übergegangen. Was vor allem zu Beginn der Coronazeit einen sehr guten Ertrag brachte. Jetzt ist der Preis enorm gestiegen und die Frauen verkaufen das Öl und die Palmkerne direkt. Noch besser wäre es wenn die Frauen das rote Öl und die Kerne für das weiße Öl nicht direkt nach der Ernte vekaufen würden, sondern erst in 5 – 6 Monaten, da bis dahin der Preis nochmal steigt. Dazu bräuchten sie aber einen Lagerraum. Wir haben schon mehrmals darüber gesprochen und versprechen im kommenden Jahr nach Spendern für den Bau eines kleineren Maganzins zu schauen. Nach diesem eindrucksvollen Nachmittag verabschieden wir uns, denn bei Victorine werden wir schon zum Abendessen erwartet

Als wir zum Haus von Victorin und Leon zurückkommen ist es leider schon dunkel und wir konnten kaum Fotos von der großen Aktion machen, bei der wieder viele Kinder ein Abendessen bekommen. Immer wenn Victorine und Leon in Agbetiko sind dürfen abends alle Kinder zu einem Essen kommen, das wir aus Spendengeldern ( vor allem von meinen Besuchen bei Schulklassen und von den tollen Erlösen im Suppenstern des Gmünder Himmelsgarten) finanzieren. Viele Familien schicken ihre Kinder abends ohne Essen ins Bett, weil sie einfach nichts haben…. und leider ist die allgemeine Wirtschaftslage im Moment eher auf einem absteigenden Ast und somit die Not in den Familien noch größer.

Gemeinsam mit den Frauen aus der Nachbarschaft hat Victorin auch für uns ein herrliches Abendessen gezaubert. Nach dem Essen verabschieden wir uns bald und fahren zurück ins Hotel, wo wir den Abend auf der Dachterasse ausklingen lassen.

So jetzt bin ich froh, dass ich den zweiten Tag im Blog habe. Wir hatten heute einen sehr anstrengenden Tag, über den ich dann natürlich auch berichten werde…. jetzt erst mal Gut’s Nächtle… ich geh jetzt ins Macumba, wo die anderen schon beim Abendessen sitzen …. bis bald.


1 Kommentar

Anne-Marie von Hassel · 24. November 2022 um 12:41

Tausend Dank für die tollen Berichte. Hier findet Ihr noch Michis ersten Facebook-Beitrag: https://www.facebook.com/fotokuenstler
und weil wir jetzt schon dauernd nach Kontaktdaten und Links gefragt werden, sende ich hier noch eine Linkliste zu weiteren Schulprojekten:
Verein Hilfe für Togo e.V.:www.hilfe-fuer-togo.de
Reiseblog Togo: http://schlatthof.net
1000 Schulen für unsere Welt: http://www.1000schulenfuerunserewelt.de/
Engagement Global: http://www.engagement-global.de/
Bayerische Staatsregierung: http://www.stmwi.bayern.de/internationalisierung/entwicklungspolitik/
Landkreis Donau-Ries: http://www.donauries.bayern/region/entwicklungszusammenarbeit/1000-schulen-fuer-unsere-welt/
Radio-Interview mit Landrat Stefan Rößle: https://share.ard-zdf-box.de/s/qmZRS5RMi7icnfD
Stiftung fly & help: http://www.fly-and-help.de/

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