Mittwoch 7. Juli …. Auch heute haben wir wieder volles Programm. Gleich nach dem Frühstück bittet uns das Team aus dem Büro vom ABCN um ein Gespräch. Sie wollen sich im Namen aller Mitarbeiter und der Auszublidenden für unsere Unterstützung bedanken und bitten uns allen Helfern in Deutschland liebe Grüße und ein großes Agbekaka auszurichten. Erstmalig haben wir an die verantwortlichen Angestellten einen kleinen Erfolgsbonus ausbezahlt. In den letzten 1 1/2 Jahren konnten wir Corona bedingt nicht nach Togo kommen. In dieser Zeit musste der Inhalt von drei Containern entladen und verteilt werden. Unzählige Unterlagen für die einzelenen Bauwerke mussten gefertigt werden. Die Mitarbeiter des Sekreteriats und des Planungsbüros im ABCN war oftmals bis in die Nacht beschäftigt und haben hervorragende Arbeit geleistet.

Wir fahren danach gleich zum Krankenhaus in Kpalime, wo wir einen Krankenwagen übergeben, der durch die Initiative von Richard Salzer vom Lions Club Aalen gespendet wurde. Das Fahrzeug hat schon eine weite Reise hinter sich. Bereits vor einem Jahr ging es auf dem Schiff in Richtung Lome. Kurz vor der Ankunft sind mehrere Besatzungsmitglieder an Corona erkrankt und das Schiff mußte zurück nach Antwerpen. Dort stand der Krankenwagen, dann eine ganze Weile, weil kein Schiff zur Verfügung stand. Nun ist er genau zur richtigen Zeit angekommen, denn das bisherige, sehr alte Fahrzeug hat vor kurzem den Geist aufgegeben.

Gemeinsam begutachten wir den Krankenwagen und versprechen im nächsten Container Material (Verbandsmaterial, Pflaster, Scheren, Pinzetten, Spritzen, Nadeln usw.) mit zu schicken, damit die Schubladen befüllt werden können und das Fahrzeug voll funktionsfähig ist. Wir werden auch versuchen eine leere Sauerstoffflasche bzw. ein mobiles Beatmungsgerät zu organisieren.

Bei einem gemeinsamen Gespräch mit dem ärztlichen Direktor (Kinderarzt), dem Verwaltungsdirektor und den Technischen Verwaltern erfahren wir, daß im Krankenhaus 90 % der Mitarbeiter inzwischen eine Covid Impfung erhalten haben. Die restlichen 10 % wollten nicht geimpft werden. Der Anteil der Geimpften bei der Bevölkerung sei verschwindend gering. Im Hopital Kpalime machen sie nur Schnelltests. Für einen PCR Test muß man nach Lome fahren. In Togo gibt es im Moment 401 aktuelle Fälle. 13.572 Menschen wurden geheilt, 132 Menschen starben und insgesamt wurden 370.601 Test gemacht. Der Direktor erklärt uns, daß dies die offiziellen Zahlen sind, daß es aber sicher eine Dunkelziffer gibt, weil in den entlegenen Dörfern nicht getestet wird und sicher auch Menschen an Corona sterben ohne daß sie getestet wurden. Bei allen Patienten die ins Krankenhaus kommen wird ein Schnelltest gemacht.

Wer beim Coronatest positiv getestet ist kommt sofort in staatliche Quarantäne. In Kpalime wurde dafür ein Gebäude extra eingezäunt und abgeriegelt. Die Patienten sind dort in Einzelzimmern untergebracht die sie nicht verlassen dürfen. Die Familien geben das Essen und Kleidung am Eingang ab. Frühestens nach 14 Tagen, aber erst nach zwei Negativ Tests wird man entlassen.

Anschließend treffen wir uns mit einem Teil unserer Azubis. Vom Musikverein in Iggingen haben wir Uniformen bekommen. Einen Teil davon verteilen wir heute.

Die Freude ist riesig über den neuen Sonntagsanzug und Done macht mit den Jungs einen Krawatten Bindekurs, bei dem alle viel Spaß haben.

Die roten Westen bekommen die Mädchen der Schneiderei. Sie passen sehr gut zu ihren Kleidern. In Togo ist es üblich, daß alle Mitarbeiter einer Formation die gleichen Kleider oder Hemden haben. Die Mädchen sind ganz begeistert von ihrem neuen Outfit. Die Kleider haben sie im Unterricht selbst genäht und die Westen passen farblich hervorragend dazu.

Auch Bürotechnisch sind wir am Vormittag noch tätig. Endlich hat es geklappt das wir einen Termin für einen PCR Test bekommen, den wir für die Heimreise unbedingt benötigen. Leider müssen wir dafür am Samstag extra nach Lome fahren. Probleme gibt es gerade mit unseren beiden Containern, die wir vor vier und sechs Wochen auf die Reise geschickt haben. Vor unserer Abreise haben wir extra noch mit dem Transitär telefoniert. Jetzt gibt es wieder Neuerungen und es werden weitere Unterlagen benötigt. Gemeinsam mit Leons Sekretärin versuchen wir alles auf die Reihe zu bekommen. Außerdem bereiten wir Unterlagen vor, die wir für das Lionsprojkt 2022 in Agou Nyogbo benötigen. Patricia ist heute auch den ganzen Tag am PC. Sie muß eine schriftliche Hausarbeit bei ihrer Lehrerin online vorstellen und sich für die morgige Prüfung, an der sie ebenfalls online teilnimmt, vorbereiten. Da es heute gnadenlos heiß ist beschließen wir eine kleine Pause zu machen und gehen für eine Stunde in unser Hotel…..eine erfrischende Dusche und alles sieht schon wieder besser aus.

Nachdem die größte Mittagshitze vorbei ist starten wir zur Missa Höhe.Dort wurde 1890 auf Betreiben des kaiserlichen Kommissars J.von Puttkammer eine Militärstation erbaut. Sie ist 5 Tagesmärsche von Lome entfernt und diente den Soldaten des kaiserlichen Reiches zur Erhohlung. Vor allem aber auch zur Heilung bei Tropenkrankheiten. Auf der Passhöhe der Togogebirgskette herrscht ein wesentlich angenehmeres Klima als im Landesinneren. Die Station war voll ausgebaut und beherbergte Wohnräume, aber z.B. auch eine Kegelbahn, von der wir vor 20 Jahren noch Reste besichtigen konnten. Da nicht alle Patienten geheilt werden konnte befindet sich in der Nähe ein Friedhof, auf dem die kaiserlichen Soldaten, die vorwiegend aus Preusen stammten, beigesetzt wurden. Der Friedhof wird von der deutschen Botschaft gepflegt, sieht aber ziemlich verwildert aus. Wegen der extremen Hitze verzichten wir heute auf den Friedhofsbesuch. Den Namen wählte Puttkammer zu Ehren seiner Geliebten Missa Esterhazy.

Auf dem Gebirgszug haben wir inzwischen mit der Dorfbevölkerung 21 ha Fläche aufgeforstet. Ein Mann, der direkt dort wohnt hat die Leitung und organisiert dann je nach Bedarf Helfer aus dem Dorf, die beim setzen der Pflanzen, sowie bei der Pflege mithelfen.

Wichtig ist vor allem das die jungen Pflanzen vom Unkraut freigehalten werden und das in der Trockenzeit genügend Brandstreifen gerodet werden um die Bäume vor den Buschbränden zu schützen.

jedes Jahr besichtigen wir die aufgeforsteten Flächen und wenn alles in Ordnung ist und kein Buschbrand über die Fläche gegangen ist, gibt es für die Arbeiter eine Bonuszahlung. Das ist ein gutes Zugpferd, denn seither brennt es nicht mehr. Nach der sehr anstrengenden Tour, bei extremer Hitze sind wir ganz schön geschafft und freuen uns auf das leckere Abendessen im Macumba. Den Abend lassen wir wieder auf der Hotelterrasse ausklingen.


1 Kommentar

Edith Bader-Lehmann · 8. Juli 2021 um 12:54

Ich beneide Euch – aber in Gedanken bin ich bei Euch!!!

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